Fisch des Jahres 1994:
Die Nase

Ausersehen dafür werden jährlich Arten, deren Bestand infolge schädigender Einflüsse auf die Gewässer oder aus anderen Gründen stark beeinträchtigt oder gar vom Aussterben bedroht sind.
Die Nase (lateinisch: Chondrostoma nasus, Linné) zählt dazu.

In vielen Flüssen gilt die Nase als "vom Aussterben bedroht", in Bayern, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg als "gefährdet" und für das Gebiet der neuen Bundesländer sogar als "ausgestorben".

Eine der Ursachen für den Rückgang dieser einstigen "Massenfischart" ist vor allem die Verbauung unserer Fließgewässer. Fischzughindernisse verurteilen den Mittelstreckenwanderer Nase zu einer genetischen Vereinzelung seiner Bestände.

Durch den Einbau von Wehren wurden häufig auch Nebengewässer abgetrennt, in denen sich vorher wertvolle Nasenlaichplätze befanden.

In vielen Gewässern wurde durch Querverbauungen die Geschiebeführung verhindert. Dadurch wurde die natürliche Verjüngung der Kiesbänke unterbunden.

Somit gingen wertvolle Brutenentwicklungsplätze verloren. Außerdem führte die Befestigung der Ufer zu einer Verarmung an Struktur, unter der nicht nur die Jungfische der Nase zu leiden haben.

Ein weiterer Gefährdungsfaktor ist die antropogene Gewässerverschmutzung, unter der die Nase besonders leidet. So werden bei Befischungen immer wieder Tiere mit verkrümmten Rückgrat gefangen.
Häufig kommen Fische mit Geschwüren oder Erblindungen, ausgelöst durch Krankheiten und Parasiten, in den Gewässern vor.

Die Nase, so genannt wegen ihres extrem unterständigen Maules, dass es wie eine "Nase" aussehen läßt, lebt - oder besser - lebte als geselliger Schwarmfisch in den schnellfließenden Gewässern Mittel- und Osteuropas von der Barben - bis zur unteren Forellenregion.

Seit jeher war die Nase in z.B. bayerischen Gewässern ein typischer Begleitfisch der Äsche.

Sie bildete in manchen Flüssen bis in die fünfziger Jahre noch Massenbestände, die dem Beobachter während der Laichzeit im Frühjahr ein einzigartiges Naturschauspiel boten.