Ist angeln langweilig ?

 

Kapitel 1 - KINDER UND ANGELN

Wenn Kinder einen Angler am Fischwasser entdecken, sind sie nicht mehr zu halten. Der Fang eines Fisches aus der Tiefe des Wassers nimmt ihre ganze Aufmerksamkeit in Anspruch, und die neugierige Fragerei scheint kein Ende zu haben. Nur unter größten Bemühungen können die Eltern ihren Nachwuchs dazu bewegen, den gemeinsamen Spaziergang am Wasser fortzusetzen, weil das Kind unbedingt den Fang eines Fisches einmal selbst miterleben möchte. Wenn er nicht unbedingt nur Fische fangen möchte, sondern auch seine Unterhaltung haben will, muss er nur einen Sonntagnachmittag an einer beliebten Uferpromenade verbringen, um sich selbst von seiner allgemeinen Attraktion und Anziehungskraft zu überzeugen. "Mama, Papa, ein Angler"", verkündet schon von weither eine Kinderstimme den zu erwartenden Besuch und der Sportsfreund kann sich innerlich bereits auf folgende Standardfragen vorbereiten:

1.)"Haben Sie schon einen Fisch gefangen?" Oder etwa:
2.)"Beißen sie denn?" Oder etwas präziser:
3.)"Welche Fische fängt man denn hier?" Dazu kommen skeptische Bemerkungen wie:
4.)"Das Wasser ist ja so schmutzig, schmecken die Fische überhaupt, die man hier fängt?"

Zu 1.) verneint man am besten immer die Frage, um weiteren Anschlussfragen aus dem Weg zu gehen und um zu verhindern, dass bei einem schönen Fang der Angelplatz in den "Städtischen Regional-Nachrichten" auf der Seite eins erscheint. Die Folge wäre, dass bereits am folgenden Montag die Angelstelle nach rechts und links auf eine Länge von ca. dreißig bis vierzig Metern von der Konkurrenz besetzt wird. Diese Zahlenangabe steigt in Abhängigkeit von der Größe des eigenen Fanges am Sonntag.
Zu 2.) empfiehlt sich die humorvolle, aber nicht mehr ganz neue Antwort: "Wieso haben Sie Angst?"
Zu 3.) empfiehlt es sich eine Fischliste auszuhändigen oder sich auf die gängigen Fischarten zu beschränken, wie Karpfen, Aale, Weißfische und Zander. Bei "Zander" werden die Fragesteller hellhörig, weil sich dieser wohlschmeckende und in den Gaststätten recht kostspielige Fisch bereits namentlich herumgesprochen hat. Eilig folgen danach die hilfreichen Bekundungen: "Wenn Sie einen Zander fangen, würden wir den gerne mitnehmen." Der Angler denkt sich nur: "Ich auch!"
Zu 4.) Ist es zwecklos den Unterschied zwischen Gewässerverschmutzung und den harmlosen Schwebstoffen im Wasser zu erklären, weil auch die Gewässer-Güte-Klassen meistens nicht bekannt sind und somit jede Gesprächsgrundlage entfällt. Dann gibt es noch die ganz provokanten Fragesteller: "Gibt es denn etwas, was langweiliger ist wie zu angeln?"
Die logische Antwort muss wie aus der Pistole geschossen kommen: "Ja, beim Angeln zuschauen" und anschließend hat der Sportsfreund wieder seine Ruhe, bis die nächste Fußgängergruppe anrückt. So ein Sonntag-Nachmittag ist sehr unterhaltsam und nur die erfahrenen Sportskollegen werden auch noch dabei ihre Fische fangen!